Almere – Eine moderne Retortenstadt

Seit 1975 entsteht unweit von Amsterdam ein Versuchslabor für städtebauliche Experimente – die Retortenstadt Almere. Der Umstand, dass die Stadt vollständig auf dem Reißbrett entstanden ist und die vielfältige Architektur war für mich Grund genug diese Stadt einmal zu besuchen.

De Kunstlinie / Side by Side | Almere-Stad | 06/2013

Almere befindet sich auf dem südlichen Teil des Flevolandpolders, welcher erst ab 1955 dem IJsselmeer abgerungen wurde und liegt ca. 25 km östlich von Amsterdam. Heute nach gerade mal 38 Jahren leben hier bereits über 190.000 Menschen und ist damit die siebtgrößte Stadt der Niederlande.

Die einzelnen Stadtteile wurden nach und nach in Angriff genommen und wachsen stetig. In Almere-Poort entstehen zur Zeit zahlreiche neue Reihenhäuser. Die Einwohnerzahl könnte so in den nächsten Jahren rasant 250.000 erreichen.

Almere | ÜbersichtQuelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Ursprünglich als „Ausweichstandort“ für großstadtmüde Amsterdamer geplant ist eine Stadt entstanden, die an einigen Stellen, trotz des vielen Grüns, an Künstlichkeit kaum zu überbieten ist. Dieses Gefühl wird man bei einem Streifzug durch die Stadt auch niemals los.

Nach anfänglichen Problemen ist es zumindest gelungen, die Innenstadt zu beleben. Viele Geschäfte und Cafés laden zum Flanieren ein. Ich selbst war dort an einem Samstag zu Besuch und überrascht wie gut das Einkaufszentrum besucht war. Außerhalb des Zentrums wurde es aber schnell ruhiger, bis man fast alleine auf der Strasse unterwegs war. Der Großteil der Menschen kam aus den Katakomben und verschwand auch wieder irgendwann in diesen. Unterirdisch befinden sich die Parkmöglichkeiten und ein Busbahnhof – alles gut versteckt für das menschliche Auge.

Die bestehende Architektur in Almere-Stad ist durchaus beeindruckend, aber das Geschäftsviertel erinnert einem an die gemäßigte Nachkriegsmoderne von Rotterdams Lijnbaan, die ich auch erst vor einigen Tagen wieder besuchte.

Dieses Imageproblem wird Almere bis heute nicht los. Nach wie vor gilt die Stadt bei den meisten Niederländern als anonyme Schlafstadt. Die Leser der Tageszeitung „de Volkskrant“ wählten Almere daher 2008 zum hässlichsten Ort der Niederlande.

Silverline | Almere-Stad | 06/2013

Interessant ist zumindest das Vorhandensein der verschiedensten Architekturströmungen seit den 1970er Jahren in ihrer Reinkultur, die hier nebeneinander koexistieren. Das fängt bei den bodenständigen, sozialistisch inspirierten Reihenhaussiedlungen an und reicht bis zur Spektakel-Architektur der 1990er und frühen 2000er.

Dies sind einige architektonische Meisterleistungen, die einen sofort ins Auge fallen:

  • Multiplexkino „Utopolis“ – Rem Koolhaas/OMA
  • Wohn-und Shoppingkomplex „De Smaragd“ – Gigon und Gruyter
  • Appartmentkomplex „The Lakeside“ – SeaARCH
  • Einkaufszentrum „Citadel“ – Christian de Portzamparc
  • Kulturkomplex „Kunstlinie“ – Kazuyo Sejima/Ryue Nishisawa (SANAA)
  • Wohntürme „Side by Side“ – Frits van Dongen
  • Appartmentkomplex „The Wave“ – Renée van Zuuks
  • Appartmentkomplex „Silverline“ – Claus und Kaan
  • „Urban Entertainment Center“ – Wiliam Alsop

Rood Warmtegebouw | Almere-Poort | 06/2013De Citadel | Almere-Stad | 06/2013De Smaragd | Almere-Stad | 06/2013Almere-Stad | 06/2013The City | Almere-Stad | 06/2013Almere-Stad | 06/2013Side by Side | Almere-Stad | 06/2013The Wave | Almere-Stad | 06/2013The Wave | Almere-Stad | 06/2013Entertainment Centre | Almere-Stad | 06/2013The Lakeside | Almere-Stad | 06/2013Carlton | Almere-Stad | 06/2013Almere-Stad | 06/2013La Defense | Almere-Stad | 06/2013La Defense | Almere-Stad | 06/2013Rode Donders | Almere-Buiten | 06/2013

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