Der „Marler Stern“ – Ist dieser schon erloschen?

Ich möchte hier eine Stadt vorstellen, die die besten Zeiten schon hinter sich hat und ein gutes Beispiel für suboptimale Stadtplanung darstellt – Marl.

Rathaus | Marl | 03/2014

Warum Marl? Gute Frage!

Mein Interesse weckte ein Foto von folgender Location. Frank hatte dies einige Tage vorher bei Facebook gepostet. So war im März unser gemeinsames Ziel ein spontaner Sonntagstreff mit Ziel „Marler Stern“ bzw. die Stadtmitte von Marl.

Marler Stern | Marl | 03/2014

Erste Überlegungen zum Bau

1922 beauftragte der Gemeinderat den Ingenieur Philipp Rappaport eine Bauplanung zu entwerfen, die die zukünftige Entwicklung Marls berücksichtigt. Hintergrund dieser Planung war, dass man hinsichtlich des prognostizierten Wachstums der Gemeinde eine Durchmischung von Wohn- und Industriegebieten, wie sie in anderen Ruhrgebietsstädten zu Problemen geführt hatte, vermeiden wollte. Allein wegen der Ausweitung des Bergbaus ging man von 120.000 Einwohnern aus.

Teil seiner fortschreitenden Planung war, dass der Großteil der Einwohner in Vorstädten wohnen sollte, die durch Grüngürtel von den Industriezonen getrennt werden. Weiterhin war eine Stadtmitte vorgesehen, die unter anderem aus Rathaus, Marktplatz, Theater und Verwaltungsgebäuden besteht. Dort sollten sich auch sämtliche Straßenbahnlinien treffen.

Den Plan durchkreuzte aber zunächst der Einfluss der Zeche Auguste Victoria, die sich beklagt hatte, dass sie mit ihren verschiedenen Schachtanlagen in mehreren Gemeinden steuerpflichtig wäre und der Forderung einer kommunalen Neuordnung, die die Betriebsstätten in einer Gemeinde zusammenfassen würde.

So wurde der Plan Rappaports am 1. April 1926 durch die Auflösung des Amtes Recklinghausen und der Eingemeindung mehrerer Orte (Sinsen, Hüls, Lenkerbeck und Löntrop) nach Marl, das somit zum Großamt wurde, nicht weiter verfolgt, da nun eine Stadtmitte schwer zu finden war.

Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Stadtmitte Marl (Stadtkernerweiterung)

Philipp Rappaports Planung war allerdings zukunftsweisend und spiegelte sich 40 Jahre später in groben Zügen wider.

Die Stadt entstand durch das Zusammenwachsen ehemaliger Dörfer mit den Siedlungen der Bergarbeiter und der Chemiebeschäftigten. Sie hat daher kein historisches Zentrum. Deswegen wurde in den 1960er und 1970er Jahren auf der „grünen Wiese“ ein Stadtzentrum mit Rathaus, Wohnhochhäusern und dem Einkaufszentrum „Marler Stern“ angelegt.

Im Anschluss an eine weitere kommunale Neugliederung im Jahr 1975 – die Auflösung des Amtes Marl als Gemeindeverband und die Eingemeindung mehrerer Ortsteile in die Stadt Marl – entstanden bis 2005 weitere Bestandteile des heutigen Stadtbildes.

Die Stadt wuchs dank blühendem Bergbau und Chemieindustrie bis 1975 schnell an und war bis 2000 mit 93.256 Einwohnern auf einem nahezu gleichbleibenden Niveau. Seit einigen Jahren ist aber, in Folge des Wegfalls des Bergbaus und Streichungen von Stellen bei der Chemie, ein spürbarer Rückgang auf derzeit rund 84.000 Einwohner festzustellen. Daher waren auch bald einige Gebäude komplett leerstehend. Das bekannte Hochhaus „Goliath“ wurde 2006 spektakulär gesprengt

Unsere Eindrücke

Was auf Anhieb sofort ins Auge fällt ist der typischer 1970er-Jahre-Charme der Bauwerke. Im Vergleich zu anderen Städten des Ruhrgebietes würde man glauben in einem Stadtteilzentrum zu stehen. Aber auch, wenn es so anmutet, ist dies die Stadtmitte!

Der nächste Eindruck erweckte eine gewisse Trostlosigkeit und Verlassenheit. Beim Spaziergang fand man aber dennoch überall Leben vor. Alles wirkt sehr sauber und nirgends liegt Müll rum. „Tags“, wie man sie in anderen Städten an vielen Wänden sehen würde, waren nur in „sehr dunklen Ecken“ zu finden.

Ich fühlte mich hier immer beobachtet und mir fiel auf, dass die Bewohner sehr aufmerksam gegenüber Fremder sind. Allerdings wurde man als „Spinner mit Kamera“ nicht – wie häufig – ständig angequatscht. Die Kontakte waren entweder nett oder neutral. Ich hatte nie das Gefühl unsicher zu sein.

Keine Ahnung wie hier das Sicherheitssystem funktioniert – keine Security zu sehen, keine offensichtlichen Überwachungskameras. Wer auch immer hierüber wacht ist sehr effektiv!

Einkaufszentrum „Marler Stern“

Eine Besonderheit des Einkaufszentrums „Marler Stern“ ist die Dachkonstruktion. Sie besteht aus insgesamt sechs einzelne, große Luftkissen, die den gesamten Verkaufsraum überspannen und so das größte Luftkissendach des Kontinents bilden. Die Dachkonstruktion steht daher im Guinness Buch der Rekorde.

Viele der Läden der oberen Ladenstraße stehen leer. Im zentralen Parkhaus ist nur noch die unterste Etage in Verwendung – alle anderen Etagen sind gesperrt.

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Rathaus

Das denkmalgeschützte Rathaus ist sehr sehenswert. Es wurde in den Jahren 1960 bis 1967 von den holländischen Architekten van den Broek und Jacob Bakema errichtet. Im Sitzungstrakt, der mit einem weit tragendem Spannbeton-Faltwerk überdacht ist, befindet sich u. a. der Ratssaal. Darunter befindet sich das Skulpturenmuseum „Der Glaskasten“.

Aus dem flachen Verwaltungstrakt ragen die Dezernatstürme hervor. Von zunächst geplanten drei bis vier Türmen wurden nur zwei realisiert. Die Geschossdecken der Türme sind über Stahlbeton-Hängestützen mit der oben liegenden Pilzdecke verbunden, von der die Lasten über einen Gebäudekern nach unten abgeleitet werden.

Die Gebäude wurden im Juni 2013 vom Bauministerium NRW zum Baudenkmal erklärt. Die Stadt wollte aus finanziellen Gründen einen Abriss anstreben, nachdem man eine Belastung durch das krebserregende PCB festgestellt hatte.

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Wohnen/Umgebung

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